25 Jahre Gleichstellungsbeauftragte
Juni 1995: Bestellung zur Gleichstellungsbeauftragten durch Bürgermeister Siegfried Schmied

Als ich im Juni 1995 durch die Wahl des Verbandsgemeinderates zur Gleichstellungsbeauftragten bestellt wurde, wussten die meisten Menschen nicht so recht, was eine kommunale Gleichstellungsbeauftragte überhaupt machen soll.

Sie ist für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zuständig – ja, das war bekannt – aber was genau soll sie in einer Kommune tun?

Die Frage hat damals nicht nur mich beschäftigt, sondern auch die Kolleginnen in den Nachbarkommunen, die aufgrund der Gesetzesänderung bestellt wurden. Schon kurz vor meiner Wahl entstanden erste Kontakte zu anderen Gleichstellungsbeauftragten, so z. B. zu Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied.

Gemeinsam haben wir uns erarbeitet, was für die Gleichstellungstätigkeit vor Ort wichtig war und wie es umgesetzt werden konnte. Und noch heute treffen sich die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis regelmäßig. Wir führen gemeinsam Veranstaltungen durch, machen Pressearbeit und beraten und vertreten uns gegenseitig.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Neuwied - bei denjenigen, die es noch sind, aber auch bei denen, die es mal waren - ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken. Schön, dass es euch gibt! Ohne euch wäre ich wahrscheinlich schon lange keine Gleichstellungsbeauftragte mehr!

Viele Themen von damals sind noch heute aktuell: z.B.  Hilfsangebote für Opfer häuslicher Gewalt, die geschlechtsspezifische Berufswahl von Mädchen und Jungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf,  Altersarmut bei Frauen oder die Unterrepräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik. 

2005: Fortbildung „Erstellung von Flyern“ für Gleichstellungsbeauftragte  

Als ich als Gleichstellungsbeauftragte meine Arbeit begonnen habe,  gab es vereinzelt noch ein paar böse Anrufe von Männern, die meine Arbeit behindern wollten. Heute ist die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten anerkannt, sicherlich auch, weil wir einiges erreichen konnten:  

Die Arbeitsagentur entwickelte spezielle Angebote für Berufsrückkehrerinnen. Mit viel Öffentlichkeitsarbeit wurden Telearbeitsplätze in Verwaltungen und Firmen eingerichtet, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Durch das Gewaltschutzgesetz, den Ausbau der Frauenhausplätze und die Einrichtung der Interventionsstelle wurde das Hilfsangebot für Opfer häuslicher Gewalt verbessert…

Überflüssig werden die Gleichstellungsbeauftragten deshalb nicht,  denn es gibt immer noch eine Reihe von Benachteiligungen der Frauen, die es zu beseitigen gilt. So verdienen auch heute  Frauen im Arbeitsleben noch durchschnittlich etwa 21 Prozent weniger als Männer. Das wirkt sich natürlich auch auf die Rente aus. Nach wie vor sitzen in den kommunalen Gremien, wie dem Verbandsgemeinderat oder den Ortsgemeinderäten,  zu wenig Frauen. Während 50 % der Bevölkerung weiblich ist, sind die Ratsmitglieder nur zu etwa 20 % weiblich. Dafür liegen die Frauen bei der Hausarbeit immer noch ganz weit vorne. Sie leisten weiterhin  den größten Teil unbezahlter Hausarbeit. Für Kinderbetreuung und Angehörigenpflege gilt dasselbe.

Hier möchte ich noch einmal auf das Hilfe-Telefon bei Gewalt gegen Frauen hinweisen. Die Telefonnummer lautet: 0800 0116016

Auch das Thema Gewalt ist noch ein großes Feld. Es gibt viele Erscheinungsformen von Gewalt gegenüber Frauen, die nicht selten heruntergespielt werden - sie beginnen mit der alltäglichen Anmache, mit einer frauenfeindlichen Sprache, Witzen oder auch Beschimpfungen. Noch immer werden Frauen in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt, wenn sie bestimmte Orte, Wege oder Situationen meiden müssen, um Belästigungen oder Bedrohungen zu entgehen. Auch dies ist eine Form von Gewalt. Direkte Erscheinungsformen von Gewalt gegen Frauen sind beispielsweise sexuelle Belästigung, Demütigung, Beleidigung, Prügel, Bedrohung, soziale Kontrolle, sexuelle Nötigung, Stalking oder Vergewaltigung. Und gerade in der Zeit der „Corona-Krise“ waren viele Frauen vermehrt der häuslichen Gewalt ausgesetzt.

Weltfrauentag 2018 im Kino in Asbach

Auch wenn ich als Gleichstellungsbeauftragte mit vielen Problemfeldern befasst bin, so gab es doch auch viele schöne Aktionen, Treffen und Veranstaltungen, an die ich mich gerne zurückerinnere, die tolle Begegnungen ermöglichten und Freude machten.  An dieser Stelle möchte ich mich deshalb noch mal bei all denjenigen bedanken, die mich dabei unterstützt haben.

Ganz besonders denke ich da an das Mehrgenerationenhaus in Neustadt (Wied), das in den letzten Jahren ein zuverlässiger Partner war und Raum für viele unterschiedliche Veranstaltungen geboten hat wie z. B. für das regelmäßige Internationale Frauenfrühstück, Beratungen für Berufsrückkehrerinnen, Filmvorführungen (siehe Foto) und vieles mehr.

25 Jahre Gleichstellungsbeauftragte in der Verbandsgemeinde Asbach -  das war eine interessante und lebhafte Zeit -  ich bin gespannt, was die Zukunft noch bringt!

 

Susanne Christ, Gleichstellungsbeauftragte der Verbandsgemeinde Asbach    


Mai 2020: Susanne Christ im Homeoffice 



Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Das steht seit dem Jahr 1949 in unserem Grundgesetz.

1994 wurde dies aber um folgendes ergänzt:

Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Dies hat dazu geführt, dass auch die Gemeindeordnung in Rheinland-Pfalz geändert wurde:

Die Verwirklichung des Verfassungsauftrags der Gleichberechtigung von Frau und Mann ist auch eine Aufgabe der Gemeinden. In verbandsfreien Gemeinden wird durch die Einrichtung von Gleichstellungsstellen oder durch vergleichbare Maßnahmen sichergestellt, dass die Verwirklichung dieses Auftrags bei der gemeindlichen Aufgabenwahrnehmung erfolgt. In kreisfreien Städten sind Gleichstellungsstellen einzurichten und hauptamtlich zu besetzen.